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Siedlung Taksimo — Siedlung Molodjoschny — Kindikanski-Pass — Fluss Kindikan — Fl.

Tuluja — Goldgräberort Kedrowka — Fluss Tuldun — Mnogoobeschtschajuschtschaja Kossa („Vielversprechende Landzunge“) — Fluss Witim. Länge der Route: 152 Kilometer; Dauer: 12 Tage.

Der Witim ist ein Nebenfluss der mächtigen Lena und einer der wildesten und bemerkenswertesten Flüsse Ostsibiriens. Besonders schön und gewaltig ist er dort, wo er sich über Stromschnellen donnernd durch die Schluchten des Südlichen Mujagebirges zwängt. In dieses vergleichsweise dünn besiedelte Gebiet führte im September 1989 eine Expedition des Burjatischen Rates für Tourismus und Exkursionen. Sie sollte die touristischen Möglichkeiten und die ökologische Lage untersuchen.

Die meisten Expeditionsteilnehmer arbeiteten in der Energiewirtschaft. Zur Gruppe gehörten außerdem die Ärztin Tatjana Schidelewa, der qualifizierte Fotograf Wiktor Koslow, der Kameramann des Fernsehstudios Ulan-Ude Wladimir Scharow und weitere Fachleute. Praktisch alle besaßen langjährige Erfahrung mit Berg- und Taigawanderungen. Ausgangspunkt unserer Reise ist die BAM-Siedlung Taksimo. Vom Flughafen gehen wir am Ufer des Barantschejewskoje-Sees entlang.

Zwischen hohen, schlanken Kiefern steht ein Obelisk für die BAM-Pioniere: die Erkundungstrupps der Witim-Expedition von BAMprojekt, die bei einem Flugzeugunglück am 15. August 1940 in den Wellen dieses Sees ums Leben kamen. Ein halbes Jahrhundert ist vergangen. In diesem Jahr wird die Baikal-Amur-Magistrale dem Dauerbetrieb übergeben. So wird nicht nur der Obelisk am See, sondern die gesamte gewaltige Strecke vom Baikal bis zum Amur zum Denkmal für die Besatzung des verunglückten Wasserflugzeugs und für alle namenlosen Pioniere.

Von Taksimo führte unser Weg über das Südliche Mujagebirge zu den Ufern des Witim. Ich will vorwegnehmen, dass wir die geplante Route sicher bewältigten und dafür zwölf Tage brauchten. Gutes Wetter und niedrige Wasserstände in den Flüssen, die wir überqueren mussten, halfen uns dabei. Doch vielleicht trugen die Freundlichkeit und aufrichtige Hilfsbereitschaft der Fahrer von Mannschaftswagen, der Geologen, Erkundungstrupps und Energiearbeiter noch mehr zum Erfolg bei.

Unmöglich, die Namen all der guten Menschen aufzuzählen, die uns begegneten. Das gehört zu den eindrücklichsten Erinnerungen an diese Route. Nachdem wir das Südliche Mujagebirge über seinen am leichtesten zugänglichen Pass, den Kindikanski, überquert hatten, zogen wir an Tuluja und Tuldun entlang. Mehrmals wechselten wir das Ufer, um direkt an den Fluss reichende Felswände zu umgehen. Die letzte Überquerung des Tuldun dauerte mehrere Stunden.

Auf einer großen Uferlichtung stehen die Gebäude einer verlassenen Goldgräbersiedlung: Mnogoobeschtschajuschtschaja Kossa, die „Vielversprechende Landzunge“. In diesem Namen schwingen Dankbarkeit und Hoffnung mit. Eine Linksbiegung des Flusses mit den Wellen der Tuldun-Stromschnelle umrahmt die Landzunge. Genau hier ist eine der möglichen Achsen des künftigen Mokskoje-Wasserkraftwerks vorgesehen. Dessen Steinschüttdamm soll 150 Meter hoch werden, der Stausee sich fast 300 Kilometer flussaufwärts erstrecken.

Mit den Erkundern der Leningrader Abteilung des Instituts Gidroprojekt führten wir ein angeregtes Gespräch über die Zukunft dieses Flusses. Wir trafen sie auf der Iwanowskaja-Landzunge. Der Leiter des Trupps, Alexander Sujew, erzählte bereitwillig vom Stand der Untersuchungen. Im Zusammenhang mit dem Regierungsbeschluss zur Schaffung eines Biosphärenreservats am Witim ist zur Glättung der Schwankungen des winterlichen Abflusses ein Gegenregulierungswerk an der Iwanowskaja-Achse im Unterwasser des Mokskoje-Kraftwerks geplant.

Seitdem hat der mächtige Witim viel Wasser zum Ozean getragen. Doch das Projekt des Mokskoje-Kraftwerks bleibt ungenutzt. Nach den jüngsten Berechnungen belaufen sich die veranschlagten Kosten der Wasserkraftanlage auf 2,7 Milliarden Dollar, bei einer Amortisationszeit von 15 Jahren. Wir verlassen die Iwanowskaja-Landzunge. Bald treten die schönen, mächtigen Gebirgsketten plötzlich auseinander, und der Witim erreicht die Weite des Mujatals.

Die letzte große Rast am Witim, die letzte Etappe. Vor uns liegen die Schienen der BAM. Pünktlich nach Fahrplan fährt der Personenzug im Bahnhof Witim ein. Früh am Morgen steigen wir in Taksimo auf den Bahnsteig. Von dort geht es mit dem Flugzeug nach Ulan-Ude.

Ich hoffe, dass die beschriebene Route Wanderer aufmerksam macht. Man kann sie durch eine Fahrt auf Tuldun und Witim sowie einen Abstecher zu den Parama-Stromschnellen ergänzen. Nach der Aufnahme des Dauerbetriebs auf der Baikal-Amur-Magistrale und des Personenverkehrs auf ihrer gesamten Länge vom Baikal bis zum Amur wird die Zahl der Reisenden zweifellos steigen. Heute arbeitet die zweite Transsib, wie man die BAM nennt, und gewinnt ständig an Fahrt.

Doch für die Entwicklung des Tourismus braucht es mehr als gute Zufahrten. Vor allem müssen wir die kristallklare Reinheit der Flüsse und die wilde Schönheit von Bergen und Taiga bewahren. Was wir unseren Nachkommen hinterlassen, hängt von Ihnen und mir ab.