Orlik — Senza — Sommerlager Chongorei (Basis) — Vulkantal — Schoiganquellen — Topografengipfel — Expeditionspass — Arschan-Chem — Fluss.
Senza — Hafen Oka. Die Route ist 210 Kilometer lang und dauert sechzehn Tage. Die im Juli 1986 vom burjatischen Rat für Tourismus und Exkursionen organisierte Expedition bestand aus sieben erfahrenen Wanderern. Ihr Auftrag war, die touristischen Möglichkeiten des Okabezirks zu erkunden und das fachliche Niveau der Mitglieder der republikanischen Routenqualifikationskommission zu heben. Die Expedition beging und beschrieb diesen Weg.
Vor vielen Jahren sah ich zum ersten Mal Vulkane: den Awatschinski auf Kamtschatka, Ebeko, Mendelejew und Tjatja auf den Kurilen. Besonders Tjatja hebt sich ab. Seine Form ist erstaunlich, elegant und regelmäßig. Nicht umsonst sagen Fachleute: „Der Vesuv ist gegenüber dem Tjatja ein schiefer Krüppel.“ Weit muss man reisen und über den Ozean fahren, um dieses Wunder zu sehen.
Aber muss man wirklich so weit fahren? Wie viele von euch wissen, dass es auch in Burjatien Vulkane gibt? … Nach der Seeumrundung führt der Pfad weiter nordwärts durch ein breites Tal. Beiderseits erfreuen Teppiche großer, leuchtender Blüten das Auge.
Noch sehen wir gelben Mohn, violette Veilchen, orange Trollblumen und blaue Akelei. An manchen Stellen stehen die Blumen tapfer neben Schneefeldern, die von kahlen Gipfeln herabreichen. Zeitweise taucht der Weg in Polarbirken- und Weidendickicht. Hoch am Himmel kreist ein Milan.
Ringsum Ruhe und Frieden. Vor uns zeichnet sich immer deutlicher ein abgestumpfter Vulkankegel ab, benannt nach dem Forscher Peretoltschin. Ein Jahr hatten wir von dieser Begegnung geträumt, seit der Plan für die Expedition in den Großen Sajan gereift war. Nun sahen wir die von Fotos vertraute Silhouette und blieben stehen.
Wir sahen einander an, legten schweigend die Rucksäcke ab und betrachteten das erschienene Wunder. Etwas links silberte der Tuchuren-Nur, aus dem der Chadarus seinen Lauf begann. Wir standen am Eingang zum Vulkantal und wateten auf das linke Ufer.
Unerwartet trafen wir eine Wandergruppe aus Minsk. Diese kurzen Begegnungen sind ungewöhnlich sachlich. Zeit fehlt auf einer Route immer. Deshalb versucht man, in wenigen Minuten die wichtigsten Informationen zu erhalten.
Die Leiter vergleichen gewöhnlich Karten und tragen Korrekturen ein. Man trifft sich, steht kurz beisammen und geht auf getrennten Wegen weiter. Nach etwa einer weiteren Stunde betraten wir das Vulkantal: ein riesiges Feld erstarrter Lava, beinahe ohne Pflanzen, einer der überwältigendsten Orte des Großen Sajan.
Seine herbe Schönheit und Größe nahmen uns gefangen. Nach dem Lageraufbau am hohen Chadarusufer gingen wir leicht zu den Vulkanen. Bis Tagesende besichtigten wir Peretoltschin. Er erhebt sich 110 Meter über den Lavastrom, seine Hänge tragen Sträucher und Lärchen.
Oben gähnt ein Krater von 140 Metern Durchmesser, mit einem kleinen See am Grund. Die Versuchung hinabzusteigen ist groß. Vorsichtig gehen wir über braune Schlacke, die unter den Füßen nachgibt. Am See steht ein Steinmann aus vulkanischen Bomben.
Wir nahmen die Notiz der Minsker Gruppe, hinterließen unsere und stiegen wieder hinauf. Der Tag verging, wir mussten ins Lager zurück. Etwa vier Kilometer westlich liegt sichtbar ein anderer, größerer Vulkan, benannt nach dem bekannten Geografen P.
A. Kropotkin, der diese Vulkane vor über 120 Jahren erforschte. Er beschrieb und zeichnete sie. Einer trägt, wie erwähnt, den Namen Peretoltschins, der im Juli 1914 nahe dem Vulkan auf dem Lavastrom unter recht rätselhaften Umständen tragisch ums Leben kam.
Tags zuvor sahen wir an den Choitogol-Mineralquellen eine Gedenktafel aus Gusseisen: „Am 3. Juli 1914 bei geologischen Untersuchungen gestorben: der Bergingenieur aus Irkutsk Sergej Pawlowitsch Peretoltschin, geboren am 20. Oktober 1863. Von der liebenden Ehefrau 1915 errichtet.“ Nach Auskunft der Einheimischen war die Tafel erst kürzlich zufällig hierhergelangt. Unseres Erachtens muss sie an den Ort seines Todes gebracht und dort aufgestellt werden. Diese edle Tat sollten Burjatiens Wanderer unbedingt vollbringen.
Länger als sonst saßen wir an diesem Abend am Feuer. Ein Windstoß brachte die Tageswärme des Tals, und uns schien, die Vulkane hätten uns warm angehaucht. Am nächsten Tag gingen wir zum Kropotkin-Vulkan. Viele Kilometer des Tals sind von erstarrter Lava erfüllt.
Auf dem versteinerten Strom ist der Pfad kaum erkennbar. Wir bestiegen den Vulkan und stiegen in seinen etwa sechzig Meter tiefen Krater. Im Steinmann am Boden nahmen wir die Notiz der Irkutsker Geologen Mironow und Iwanow, die im August 1985 hier waren. An diesem Tag belichteten wir viele Meter Foto- und Kinofilm.
Alles, was wir hier sahen, wollten wir nach der Heimkehr unbedingt Freunden zeigen. Am dritten Tag verließen wir das Vulkantal auf einem neuen Weg. Er führte zu den berühmtesten Quellen dieser Gegend, Schoigan, und zum rauen Gebirgsknoten des Topografengipfels, dem Herzen des Großen Sajan.
Wir waren keine Erstentdecker und empfanden doch Freude. Jeder entdeckte wieder und wieder Neues für sich. Davon würden wir allen erzählen, die Fernwegromantik und Entdeckungsdurst unwiderstehlich anziehen. Nach drei Wochen kehrten wir bergsonnenverbrannt, windumweht und regengewaschen zurück, voller lebendiger Eindrücke vom wunderbaren Land und den erstaunlichen Menschen unterwegs.
Unter dem Flugzeugflügel glitt das große Okaplateau vorbei, rings von alpinen Gebirgen umgeben. Nach Akademiker Obrutschew ist es „gleichsam Tibet im Kleinen“. Wir flogen über den berühmten Okapfad, vor Kurzem noch allein Packpferden zugänglich. Daneben fuhren auf der im Bau befindlichen „Straße des Lebens“ schwer beladene Ural und SIL hintereinander. Eilig brachten sie dem Bezirk notwendige Wirtschaftsgüter.
Die Menschen in Oka arbeiteten und lebten mit den Sorgen der Republik Burjatien.

@nevsky_alexander
Auf Instagram: Dubai jenseits der Postkarte — Familie, Stadt, Entdeckungen und das Leben zwischen den Projekten. Auf Threads: laute Gedanken über Design und KI. Auf YouTube: Videos, die mehr Platz brauchen als eine Story. Folgt mir dort, wo ihr euch wohlfühlt, und lasst uns in Kontakt bleiben