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Jeder von uns träumte seit Langem von Gipfeln und Pässen des Bargusingebirges, den geheimnisvollen Wildnissen des Podlemorje. Endlich waren wir da. Ich beschreibe nicht die ganze Route, nur die hellsten Eindrücke. Was sagen die Teilnehmer selbst?

Der Moskauer Wiktor Setucha meint: „Interessant sind die vielfältigen, oft recht schwierigen Übergänge, die schönen Bergpässe und malerischen Buchten“… Gennadi Koslowski aus Krasnogorsk bei Moskau stimmt zu: „Die Route war großartig, spannend und malerisch, die Natur wunderbar… Ich bin zum zweiten Mal am Baikal, aber der Eindruck bleibt wie beim ersten Mal unauslöschlich.“ Den vierten Tag begrüßten wir hoch in den Bergen.

Schwer durchdringbare Zwergkiefern wichen Geröll, dann Bergtundra mit stillen Bächen, winzigen Sümpfen, Moos und Flechten. Wir bewunderten ihre besondere Pracht. Über den Bergen hingen schon schneebereite Wolken, doch die Tundra blühte trotzig weiter: große blaue Veilchen und leuchtende Enzianbecher.

Selbst die bekannte Rentierflechte besaß eine ganze Farbskala. Wirres Gestein schuf eine außerirdische Landschaft. Da öffnet sich der Nebel wie ein Bühnenvorhang: Im Norden ragen scharfe Gipfel des Hauptkamms in die Wolken, südlich folgen die von tiefen Tälern zerschnittenen Tschiwyrkui-Berge; westlich der unklare Swjatoi-Nos-Umriss; östlich das weite Bargusintal und der vom Regen volle Fluss.

Dieses vielgestaltige Panorama bewundernd gehen wir langsam zum Pass. Jeder Schritt bringt den erträumten Augenblick näher. Vom Pass sieht man die Quellen dreier Flüsse: Nestericha, Malaja Tscheremschana und Bolschoi Tschiwyrkui. In ihren Quellgebieten funkeln Ketten smaragdgrüner Seen.

Daneben schmiegen sich kleine Haine anspruchsloser Lärchen und Sträucher, überall tobt purpurner Herbst. Den größten, den Ladochinskoje-See, sahen wir an der Quelle der Malaja Tscheremschana: über anderthalb Kilometer lang, bis 400 Meter breit. Fast senkrechte Wände eines majestätischen Kars umgeben ihn.

Auf dem Übergang von der Nestericha ins Tal der Malaja Tscheremschana bauten wir einen Steinmann und nannten den Pass „Traum“. Warum? Wohl weil wir ihn unten im städtischen Trubel so ersehnt hatten. Indessen sank die Sonne unerbittlich hinter die kahlen Berge.

Wir steigen zum Nachtlager ab. Weiter ging es entlang der Malaja Tscheremschana zum Baikal. Häufiger Regen, Weglosigkeit, schwindelerregendes Umgehen von Felsengen, ermüdendes Zwergkiefergestrüpp und viele Furten mussten wir auskosten. Zwei Tage später verklang das Flussdonnern allmählich; entgegen kam uns das noch undeutliche Rauschen der Brandung.

Eine leichte Brise kühlte unsere erhitzten Gesichter, unter den Füßen raschelten Uferkiesel. Wir sind am Baikal. Eine rote Rakete steigt in den Abendhimmel: Salut für unseren kleinen Sieg. Vor uns lagen noch schwere Taigakilometer, eine spannende Seereise zwischen Inseln und Felsbuchten des Tschiwyrkui-Golfs und das unvergleichliche Bergensemble von Swjatoi Nos.

Besonders froh machte uns, dass unser Traum wahr geworden war.