2010
Webdesigner

Das ist eine der Geschichten, an die ich gern zurückdenke. Ich wurde als erster Webdesigner bei der Iswestija eingestellt und gestaltete die allererste Webversion. Das Büro am Puschkinplatz, das legendäre Iswestija-Gebäude, schwere Türen, Messingschilder und das Gefühl, über der alten Presse eine neue Realitätsebene zu starten.
In alten Dateibergen und auf alten Datenträgern habe ich gerade noch den ersten Bildschirm der Startseite gefunden

Ich arbeitete damals in Photoshop: Layouts bauen, mit Slice zerschneiden, Bilder exportieren, Dateien sorgfältig benennen und für die Entwicklung packen. Die Entwickler saßen anderswo. Ich lieferte Raster, Typografie und Blocklogik, gemeinsam machten wir daraus ein lebendiges Portal. Entscheidend waren lesbare Schlagzeilen, ein luftiger Nachrichtenstrom und eine digitale Titelseite mit derselben Wirkung wie auf Papier.

Das Iswestija-Gebäude, in dem ich gearbeitet habe

An die Flure der Iswestija erinnere ich mich bis ins Detail: Farbgeruch, abgenutzte Geländer, Redakteursgespräche. Der alte sowjetische Pressegeist lag noch in der Luft. Das Gehalt gab es an einem Schalter im dunklen Flur: Schlange, Unterschrift, raschelnder Umschlag, zurück zu den Layouts. Zum Durchlüften ging ich manchmal auf die Twerskaja und in den allerersten McDonald’s. Ein kleines Ritual.

Auf dem Heimweg in meiner Lieblingsjacke von Burton, beim Skizzieren

Ich wohnte damals an der Metrostation Bibirewo: lange Fahrten, Kopfhörer, ein Notizbuch mit Oberflächenskizzen. Wir fühlten uns wirklich wie Pioniere: Wir brachten eine große Zeitung ins Internet und zurück in den täglichen Nachrichtenstrom der Menschen.

Aus dieser Arbeit ist mir vor allem eines geblieben: Respekt vor der Geschwindigkeit von Nachrichten, klarer Hierarchie und der Verantwortung einer Titelseite, ob gedruckt oder digital.